Jubiläum - 40 Jahre Jugendfarmarbeit im Elsental

Tätigkeitsbericht für das Jahr 2002

Jugendfarm Elsental e.V.

Liebe Farmer, Eltern und Freunde der Jugendfarm Elsental,

In diesem Jahr können wir auf 40 Jahre Jugendfarmarbeit im Elsental zurückblicken. Es war ein ganz besonderes Jahr, denn es stand ganz im Zeichen des Neubaus. Die Farmfeste, das Ferienangebot, die Spendenaktionen - alles war etwas anders als wir es im Elsental gewohnt sind und doch betreuten wir täglich im offenen Bereich am Nachmittag



Blick in den Kalender

Februar:

März:

April:

Wir haben das erste Elsentaler Osterreitturnier veranstaltet.

Das alte Hasenhaus wurde mit Kindern abgerissen.

Die Gartensaison hat begonnen.

Die Ziegen sind im neuen Gehege.

Die neue Einführungsgruppe beginnt mit 20 Kindern.

Mai:

In den Pfingstferien hat das Zirkkusprojekt stattgefunden.

Naturwochen in Kooperation mit der Kaltentaler Grunschule.

Juni

Spatenstichfest mit Tombola.

Zahlreiche Gruppen besuchen vor den Sommerferien die Farm.

Teilnahme am Anna Scheuffele Fest in Kaltental.

Juli:

Der Neubau beginnt am 5.7.02 mit dem Errichten des Bauzaunes.

Honigschleudern mit Bienenquiz für Kinder.

August:

Sommerferienprogramm auf der Farm täglich ab 13.00. Es kommen durchschnittlich ca. 60 Kinder auf die Farm.

September:

Beginn neuer Einführungsgruppen mit insgesamt 35 Kindern.

Oktober

„Tag der offenen Farm“ mit einem Blick hinter den Bauzaun“ bei Zwiebelkuchen, Apfewlsaft, Flohmarkt und Ponyreiten.

November

St. Martinsumzug durch Kaltental in Kooperation mit der Grundschule.

Stand am Herbstbasar der Michael Bauer Schule

Mitgliederversammlung des Farmvereins

Dezember

Stand mit Ponyführen in Heslach beim Adventsmarkt.

Am 15. Dezember werden wir unser Adventsfest im Elsental feiern - mit Krippenspiel und hoffentlich schon unter dem neuen Dach!






Die normale Farmarbeit


Bericht zum Neubau




Minifarm im Elsental

Im Sommer gab es zum ersten mal eine Mutter- Kind Gruppe auf der Jugendfarm. 8 Mütter und Väter mit Kindern im Alter von 1,5 - 2 Jahren trafen sich einmal wöchentlich zum Picknick unterm Kirschbaum - danach ging es weiter zum Besuch bei den Hasen und allerlei „farmigen“ Aktivitäten.

Es hat sich gezeigt, dass schon die ganz Kleinen bald auf der Farm „zu Hause“ waren. Freudig strahlend kamen sie morgens an , müde und „erlebnis-satt“ gingen sie mittags heim.

In Kooperation mit dem Elternseminar Stuttgart soll auch nächstes Jahr wieder eine Gruppe stattfinden.


Farmbetrieb während der Bauzeit

Allen Erwartungen zum Trotz lief der Farmbetrieb während der Bauzeit ohne größere Störungen.

Da wir den unteren Reitplatz nur zur Hälfte nutzen konnten, wurden Reitstunden oft auf den Weg am Bach unten verlegt.

Das Treiben und Tummeln des Nachmittags hat sich vom Tanzplatz auf den Feuerplatz am Backhäuschen verlegt. Hier wurde es manchmal eng, wenn sich die Reiter ihren Weg zum hinteren Reitplatz, durch werkelnde, backende, schnippelnde Kinderhände große und kleine Besucher bahnen mussten. Dann war besondere Vorsicht geboten.

Unser alter Gladur fand diese Dichte und Nähe zu den Kindern besonders reizvoll und stand oft mit seinen Hufen fast im Feuer und genoss die Aufmerksamkeit und freundschaftliche Fürsorge, die ihm von allen Seiten entgegen kam.

Also war unser Nachmittagsbetrieb trotz oder vielleicht wegen der besonderen räumlichen Ballung aller Farmaktivitäten besonders intensiv.

Die Atmosphäre war schaffig, wuselig manchmal heimelig, insgesamt einfach schön!

Elfi Eckert


Das Spatenstichfest mit dem Zirkus „Jufarelli“

Statt unserem traditionellem Sommerfest wurde in diesem Jahr am 9.06.02 das Spatesticjfest geseiert. Das ehemalige Hühnergehege war zentraler Festplatz, denn hioer sollte ja schon bald das neue Farmhaus entstehen. Mit Rindenschnipsel als Belag und Strohballen als Tribüne war er zu einer Manege gestaltet worden; ein hoher Pfosten in der Mitte trug die bunten Bänder des „Zirkuszeltes“.

Um 15.00 Uhr dann Trompetenfanfare, um alla zu versammeln!! Die Besucher strömten herbei und der Regen strömte vom Himmel herunter - kübelweise.

So gab der Farmchor, bestehend aus Vorständen, Mitarbeitern und Farmfreunden sein Debüt unter Regenschirmen; und auch alle Redner hatten neben sich einen Regenschirmträger - doch es schmälerte nichts an den Rednerworten, die an die Anfänge der Jugendfarm aus dem Famielienleben der Familie Boehm erinnerten; und viele gute Wünsche wurden für das Bauvorhaben ausgesprochen. Als Schirmherren hatten wir Herrn Oberbürgermeister Schuster gewinnen können, der durch Herrn Korn vom Jugendamt vertreten war und gemeinsam mit Thyra Boehm den ersten Spatenstich ausführte.

Dort wo bald Farmkinder in ihrem neuen Haus spielen werden, hieß es dann Manege frei für den Zirkus „Jufarelli“. Keiner der Artisten ließ sich vom Regen abhalten seine Nummer mit großem Spaß zu präsentieren auch nicht die Affen und Bären mit ihrem „zottig- nassen Fell“.

Dann meinte der Wettergott es doch sehr gut! es klarte auf und die „Handwerker“ eröffneten ihre Werkstätten und luden insbesondere die Kinder zur Mitarbeit ein: Schnitzen, Backen, Schmieden, Spinnen und Weben, Hufeisenschmiergeln, Filzen u.a.m.

Als die Werkstätten geschlossen wurden, war der Reitplatz frei für eine große Reiquadrillie der jugendlichen Farmer.

Das schöne bunte Fest klan aus mit Musik des Farmorchesters und Volkstänzen auf dem Reitplatz.

Nun konnten die Baumaschinen kommen.....


Kinder im Lot

Das Projekt „Kinder im Lot“ hat in diesem Jahr weiterentwickelt und ist ein wichtiger Teil innerhalb der Heilpädagogischen Arbeit der Jugendfarm Elsental.

Jugendliche Farmer betreuen dabei Kinder mit Entwicklugsverögerungen innerhalb des Farmnachmittags. Sie haben dabei quasi Patenschaften für ihr/e Kinder übernommen. Ziel ist es, den Förderkindern, die alleine in der offenen Gruppensituation des Farmnachmittags überfordert wären, eine Hilfestellung zur Integration zu geben und gleichzeitig das Reiten in kleinen Schritten in der Einzelsituation zu ermöglichen. Ergänzend finden Reflektionsgespräche zwischen Eltern, Jugendliche und Farmbetreuerin statt, um bisherige Erfolge und das weitere Vorgehen abzustimmen.

Momentan arbeiten 7 Jugendliche und eine Ehrenamtliche mit insgesamt 14 Kindern. Drei Kinder sind inzwischen aus dem Projekt als voll integrierte Farmkinder entlassen worden.

Ein Projekt, das ganz auf dem ehrenamtlichen Einsatz der Jugendlichen aufgebaut ist.


Zwei Naturwochen mit der Kaltentaler Grundschule

Die zwei vierten Klassen der Kaltentaler Grundschule hatten in diesem Frühsommer jeweils die Gelegenheit für eine Woche das Klassenzimmer mit der Jugendfarm zu vertauschen. Lernen mit Herz, Hand und Verstand. Ziel des Projektes war es die besonderen Möglichkeiten der Jugendfarm für anderes Lernen zu nutzen. Themenschwerpunkte waren die Erforschung der Kleinstlebewesen im Elsental Bach, sowie die praktische Versorgung und Pflege der Farmtiere ebenso wie gesundes Kochen und Backen mit selbst gemahlenem Vollkorngetreide und Gemüse aus dem Farmgarten.

Eine gelungene Kooperation, die wir im kommenden Jahr gerne wiederholen möchten.




Vorstandsmitglieder

Dr. Bruno Sandkühler, 1. Vorsitzender seit 19

war Lehrer an der Michael Bauer Schule und engagiert sich für den Bund der freien Waldorfschulen im

Im Verein die tragende Säule für Grundsatzentscheidungen jeder Art.

Inge Rheinwald, Projektreferentin bei der Messe Stuttgart

Im Verein zuständig für das Mitgliederwesen, die Adressverwaltung, Außenvertretung zu vielen Ämtern und dem Stuttgarter Jugendhaus e.V. und aktives Vorstandsmitglied im Dachverband der Stuttgarter Jugendfarmen und Aktivspielplätze.

Dr. Norbert Bongartz, Konservator beim Landesdenkmalamt.

Er hat maßgeblich an der Planung des Neubaus mitgewirkt und 10 Jahre lang Briefe an Behörden und Ämter geschrieben - bis zur erfolgreichen Genehmigung des Farmhauses.

Hartmut Otter von Beruf Betriebswirt ist der Rechnungsführer des Vereins.

Inger Hermann war lange Jahre Bildungsreferentin im Hospiz Stuttgart und arbeitet heute an der Entwicklung neuer Konzeptionen für Religionspädagogik an Kindergärten.

Sie ist zuständig für die interne Fachaufsicht der Farmbetreuer.

Rosemary Sack, ist freiberufliche Übersetzerin und Mutter von drei Farmkindern.

Sie ist im Verein zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Unter ihrer Federführung sind in den letzten zwei Jahren zahlreiche Artikel in der Zeitung erschienen und es wurden Kontakte zur Stadtverwaltung intensiviert.

Rochus Zimmermann und Sabine Leibfried sind Mitarbeiter der Farm.

und stellvertretend für alle Hauptamtlichen Mitarbeiter der Farm im Vorstand.







Rückblick auf 40 Jahre Farmarbeit im Elsental

Unsere Jugendfarm ist nicht gegründet worden, sondern nach und nach entstanden. Eigentlich sind es die Kinderselbst, die den Erwachsenen den Weg dahin gewiesen haben. es begann damit, dass Thyra und Edgar Boehm 1962 für ihre eigenen Kinder die ersten Pferde ins Elsental aufnahmen. Nicht lange spielten, tobten und ritten auf diesem Gelände nur die eigenen Kinder mit den Pferden. Bald kamen die Freunde dazu und mit denen deren Freunde....denn „ wie Bienen die Blumen, so finden Kinder Tiere“ (Thyra Boehm). Bald kamen Kinder aus der ganzen Umgebung ins Elsental und nachdem keines weggeschickt wurde, entwickelte sich daraus ein offenes Betreuungsangebot, das nach und nach institutionalisiert wurde. Eine besondere Rolle spielte in dieser allerersten Zeit des spielerischen Tuns mit den Pferden eine Tochter der Familie Boehm, Iduna Boehm, die 1968 mit 14 Jahren durch einen Unfall in Südafrika verstarb.

1972 wurde im Elsental auf Initiative von Thyra und Edgar Boehm hin der Bund der Jugendfarmen gegründet, mit dem Ziel einen organisatorischen Rahmen für die eigene Arbeit zu bekommen und bei der Gründung weiterer Jugendfarmen in Stuttgart und ganz Deutschland zu helfen. So hat die Jugendfarmbewegung in Deutschland ihren Ausgangspunkt im Elsental genommen und sich von da aus weiterentwickelt. Die wesentlichen der ursprünglichen Leitgedanken sind noch heute Grundmotive aller Jugendfarmen. (Offenheit, Kostenfreiheit,Schaffung von Freiräumen, Ermöglichen von Primärerfahrungen.)


In den ersten 10 Jahren nach der Gründung des Vereins wurde viel Öffentlichkeitsarbeit geleistet und neuen Plätzen Gründungshilfen gegeben. Es war jedoch nicht die Zeit der Konzeptionsentwicklung. Das Ereignis Jugendfarm entwickelte sich und wurde einfach gelebt. Die Notwendigkeiten rund um die Tiere und Kinder bestimmten das Handeln und Schaffen, es gab keine geregelten Arbeitszeiten. Man arbeitete solange es Arbeit gab und die geht in solchen Zeiten nie aus.

Charakteristisch für den unkonventionellen Schwung der die Arbeit durchwehte ist der Slogan : „Schmutzig aber glücklich auf der Jugendfarm! Jede schmutzige Hose spart uns ne Neurose“


Die Familie Boehm stand schon in dieser Zeit der Anthroposophie nahe, es wurde jedoch nie der Versuch unternommen, eine anthroposophische Einrichtung zu begründen. Vielmehr ist die Zeit der Entstehung der Farm von einer sehr individuellen und unkonventionelle Lebenseinstellung geprägt.


Die Pionierphase im Elsental hat viele heranwachsende und junge Mitarbeiter auf ihrem Lebensweg nachhaltig beeinflusst. Es herrschte Aufbruchbruchstimmung, es wurde viel improvisiert, es wurde ausprobiert und es bildete sich das heraus, was wir heute als Stil, Atmosphäre und Grundgepräge der Arbeit der Jugendfarm Elsental kennen.


Thyra Boehm leitete die Farm im Elsental bis 1986. Edgar Boehm engagierte sich bis zu seinem Tod im Jahre 1984 als 1. Vorsitzender des Bundes der Jugendfarmen für die Ausbreitung der Idee Jugendfarm in ganz Deutschland. Er telefonierte mit Behörden und Eltern, ermutigte Menschen die einen Platz neu gründen wollten und organisierte die ersten Austauschwochenenden, auf denen sich Jugendfarmer aller Himmelsrichtungen kennen lernen können und gemeinsame Fortbildungen machen.


Mit dem Tod von Edgar Boehm und dem Ausscheiden von Thyra Boehm aus der täglichen Farm Arbeit war eine neue Phase in der Geschichte der Farm angebrochen. Die nachfolgende Generation hatte und hat bis heute die Aufgabe aus den genialen Impulsen der Gründungsphase die aus einer starken Familie kamen, eine tragfähige Institution zu entwickeln. Dazu gehört es, dass Konzeptionen entwickelt werden, bez. dass formuliert wird, was im Elsental schon seit Jahrzehnten gelebt wurde, dass Entscheidungswege und die gesamte Organisationsstruktur transparent sind und die Verantwortung für die pädagogische Arbeit auf den Schultern eines Leitungsteams liegt, die im Konsens miteinander arbeiten und ein Vorstand mit Menschen aus verschiedenen Berufen und Fähigkeiten, die rechtlichen Belange des Vereins wahrnimmt, die pädagogische Arbeit der Mitarbeiter begleitet und unterstützt und die Arbeit in der Öffentlichkeit vertritt.


Der Jugendfarm Elsental e.V. ist dabei eine familiäre Institution zu werden.

Heute leben vier Hauptamtliche Betreuer in einer lockeren Lebens - und Arbeitsgemeinschaft auf der Farm, sowie im Wechsel zwei Praktikant/innen. Im Sommer oft auch mehr.

Thyra Boehm lebt in ihrem Haus auf der Farm und kommt ca. zwei mal wöchentlich runter auf die Farm zum Spinnen und Weben mit den Kindern.

Es gibt einen Vorstand mit acht Mitgliedern, der sich gemeinsam mit den Mitarbeitern ein mal monatlich trifft um die Geschäftsführung und Außenvertretung des Vereins miteinander abzustimmen. In Zukunft werden wir uns zusätzlich dazu dreimal jährlich zur inhaltlichen Leitbildarbeit treffen.

Vor Jahren noch undenkbar gibt es heute Supervisionstermine, Dienstpläne, Jahrestagungen, gemeinsame Vorausschau und Rückblick auf die Arbeit, sowie Tagesprotokolle und Monatsberichte. Durch die Diskussion zur Qualitätssicherung und Selbstevaluation haben wir wichtige Entwicklungsschritte vollzogen.

Ziel ist es eine lebendige und weltoffene Einrichtung zu sein.

Unser Neubau wird uns für alle zukünftigen Aufgaben den richtigen „Spielraum“ eröffnen.